Monde von TNOs
 
 

Nicht nur die großen Planeten wie der Jupiter oder die Erde haben Monde, sondern auch
Planetoiden (Kleinplaneten; eine weitere Bezeichnung ist "Asteroiden" ["Sternähnliche"],
diese ist allerdings irreführend, da Planetoiden Sternen nicht ähneln). Viele Planetoiden
bewegen sich auf Bahnen, die sich vollständig zwischen der Mars- und der Jupiterbahn
befinden (-> Planetoidenmonde im Hauptgürtel). Es gibt aber weitaus mehr Planetoiden,
deren Bahnen sich viel weiter außen im Sonnensystem befinden, nämlich im wesentlichen
außerhalb der Neptunbahn. Planetoiden, deren große Bahnhalbachse größer ist als die
von Neptun, also größer als 30 AE (1 AE = 1 Astronomische Einheit = mittlerer
Abstand der Erde zur Sonne = rund 1,5 Mio. km), bezeichnet man als
transneptunische Objekte ("trans-Neptunian objects", TNOs).
 
 

Die TNOs werden in vier Gruppen unterteilt: Die größte Gruppe bilden die sogenannten klassischen
Kuipergürtelobjekte oder Cubewanos (benannt nach der englischen Aussprache des ersten entdeckten
TNOs, 1992 QB1), deren große Bahnhalbachsen hauptsächlich zwischen 42 und 47 AE liegen und die
geringe Bahnexzentrizitäten aufweisen. Die sogenannten Scattered Disc Objects (SDOs, in etwa
"gestreute [Akkretions-]Scheiben-Objekte"), deren Bahnen aufgrund von Streuung durch
Neptun mittlere bis hohe Exzentrizitäten besitzen und große Halbachsen von über 500 AE
aufweisen können, bilden eine zweite große Gruppe. Eine dritte Gruppe besteht aus
Kuipergürtelobjekten, bei denen eine Resonanz zur Umlaufzeit Neptuns besteht,
vor allem aus solchen mit 2:1- oder 3:2-Resonanz; ihre Exzentrizitäten sind gering
bis mittel. 3:2-Objekte werden Plutinos genannt, da auch Pluto eine 3:2-Resonanz
zu Neptun aufweist. Die vierte Gruppe bilden die sogenannten Detached Objects
("freistehende Objekte"), deren Bahnen zwar ebenfalls gestreut wurden,
jedoch aufgrund ihrer noch größeren Sonnenferne nicht durch Neptun.
 
 

Der erste Planetoidenmond wurde am 22. Juni 1978 von Dr. James Christy entdeckt, und zwar
beim transneptunischen Zwergplaneten (134340) Pluto. Er bekam im Jahr 1985 den Namen
Charon und trägt heute die Bezeichnung (134340) Pluto I. Pluto bildet mit seinen Monden
ein Sechsfachsystem, Näheres siehe hier.
 
 

Im Jahre 2001 wurden sechs weitere TNO-Monde entdeckt, darunter einer beim Cubewano 1998 WW31.
Dieser Mond trägt die provisorische Bezeichnung S/2000 (1998 WW31) 1, das heißt: "Satellit, und zwar
mit Entdeckungsfoto aus dem Jahr 2000 bei Planetoid 1998 WW31, erste Entdeckung aus 2000 bei
1998 WW31". Das Besondere an der Umlaufbahn von S/2000 (1998 WW31) 1 ist ihre hohe
Exzentrizität von ca. 0,82 (ein Wert von 0 bedeutet eine exakte Kreisbahn, ein Wert von 1
eine parabolische, ein Wert dazwischen eine mehr oder weniger langgestreckte elliptische
Bahn), somit weist S/2000 (1998 WW31) 1 die höchste bekannte Bahnexzentrizität
aller Monde im Sonnensystem auf: die Entfernung zwischen 1998 WW31 und
seinem Mond schwankt zwischen ca. 4100 und ca. 41000 Kilometern.
 
 

Die provisorische Bezeichnung eines Planetoiden gibt übrigens über dessen Entdeckungszeitpunkt Aufschluss:
Der erste Buchstabe hinter dem Entdeckungsjahr bezeichnet den Halbmonat der Entdeckung, "A" steht für
die erste Januarhälfte, "B" für die zweite, "C" für die erste Februarhälfte usf., "Y" schließlich da "I" aus-
gelassen wird für die zweite Dezemberhälfte. Der zweite Buchstabe gibt an, um die wievielte mögliche
Planetoidenentdeckung innerhalb des bezeichneten Halbmonats es sich handelt: die Bezeichnung für das
erste Objekt erhält ein "A", die für das zweite ein "B" usw. Falls mehr als 25 mögliche Entdeckungen im
betreffenden Halbmonat gemacht werden "I" wird wiederum ausgelassen , folgt z. B. auf "OZ"
"OA1", "OB1" usf. und weiter auf "OZ1" "OA2", "OB2" usf. So sagt die provisorische Bezeichnung
von 1998 WW31 z. B. aus, dass es die 797. mögliche Planetoidenentdeckung in der zweiten
Novemberhälfte des Jahres 1998 war. Zurzeit werden so viele Planetoiden entdeckt, dass
in den provisorischen Bezeichnungen das Alphabet mitunter etliche Male durchlaufen wird.
 
 

Von den TNO-Monden, die bereits einen Namen bekommen haben,
wurden die meisten zusammen mit ihrem Planetoiden benannt.
 
 

Wie Pluto und seine Monde wurden auch andere Plutinos und ihre Monde nach mythologischen Gestalten des
Totenreiches benannt. Zu diesen zählen trivialerweise Mors (lateinisch für "Tod") und ihr Zwillingsbruder Somnus
(lateinisch für "Schlaf"), die Personifikationen des Todes bzw. des Schlafes in der römischen Mythologie. Ihre
griechischen Entsprechungen sind Söhne der Nyx ("Nacht"). Der 2007 entdeckte Doppelplutino (341520),
dessen kleinere Komponente nur etwa 5 % kleiner ist als die größere, bekam den Doppelnamen Mors-Somnus.
Außerdem wurde der Mond des Plutinos (90482) Orcus (römischer Gott der Unterwelt, folterte die Toten)
nach Vanth, einer Dämonin aus der etruskischen Mythologie, benannt. Vanth führte die Toten in die
Unterwelt und wurde meistens geflügelt und mit einer Fackel dargestellt.
 
 
 
 
 


 

Orcus und Vanth
 
 
 
 
 

Der Plutino (47171) und seine beiden Monde hingegen wurden nach Gestalten des Bösen aus der
finnischen Mythologie benannt: Während der Planetoid nach Lempo (dem Repräsentanten des Bösen
in seiner umfassendsten Bedeutung) benannt wurde, bekam der größere der beiden Monde er ist
nur etwa 8 % kleiner als der Planetoid den Namen Hiisi und der kleinere den Namen Paha. Hiisi
ist ein böses, arglistiges, verderbenbringendes, zugleich aber auch mächtiges Waldwesen, eine
Art Teufel. Paha (finnisch für "der Böse") ist ein weiteres böses Wesen, das aus
der christlichen Mythologie (Satan) entlehnt wurde.
 
 
 
 
 


 

Das Lempo-Dreifachsystem. Während oben Paha zu sehen ist,
verschmelzen Lempo und Hiisi zu einem Objekt.
 
 
 
 
 

TNOs, die die Neptunbahn kreuzen und deren Umlaufzeiten keine Resonanz (zur Umlaufzeit Neptuns)
aufweisen es handelt sich dann um SDOs , und ihre Monde werden seit ein paar Jahren in Anlehnung
an die Planetoiden, die sich zwischen der Jupiter- und der Neptunbahn bewegen, die nach Zentauren benannt
werden nach anderen mythologischen Mischwesen oder solchen, die ihre Gestalt verändern konnten, benannt.
Dies betraf (65489) Ceto ("Meerungeheuer", häufig mit Frauenkopf und Aalkörper dargestellt) und ihren Mond
Phorcys sowie (42355) Typhon ("Wirbelwind", ein hundertköpfiges Ungeheuer) und seinen Mond Echidna,
deren Namen alle am selben Tag veröffentlicht wurden. Phorcys war wie Ceto ein Kind der Gaia und des
Pontus und der Meeresgott der versteckten Gefahren der Tiefe. Er wurde mit dem Kopf eines greisen
Mannes, Krabbenscheren und Fischschwanz sowie mit einer Fackel dargestellt. Echidna (griechisch
für "Giftviper") war ein Kind entweder der Ceto und des Phorcys oder wie Typhon der Gaia und
des Tartarus. Sie war ein Ungeheuer, ihr Oberkörper war der einer Nymphe und ihr Unterkörper
der einer Schlange. Ceto und Phorcys waren die Eltern mehrerer Ungeheuer,
darunter auch Kerberos und die Hydra.
 
 
 
 
 


 

Ceto und Phorcys
 
 
 
 
 

Ein weiterer SDO-Mond wurde 2005 bei dem kurz zuvor entdeckten Zwergplaneten (136199) Eris
("Streit", Tochter der Nyx und Göttin der Zwietracht und des Streites), dem massereichsten und
zweitgrößten bekannten Planetoiden, gefunden. Dieser Mond erhielt den Namen Dysnomia
(griechisch für "schlechte Gesetzgebung, Gesetzlosigkeit") nach der Tochter der Eris, der
Daimona der Gesetzlosigkeit. Diese beiden Namen spiegeln den Streit wider, den die
Entdeckung von Eris, eines TNOs etwa von der Größe Plutos, um deren Status
entfachte. Dr. Michael E. Brown, einer der Entdecker von Dysnomia, spricht
diesen Namen übrigens "daisnomia" aus, in Anlehnung an Di,
den Spitznamen seiner Frau Diane.

Dysnomias Durchmesser wird auf 685 km geschätzt, somit wäre sie der mit Abstand zweitgrößte
bekannte Planetoidenmond und größer als beispielsweise der Saturnmond Enceladus; da ihre
Albedo (Reflexionsvermögen) jedoch völlig unbekannt ist, kann sie aber auch viel kleiner sein.

Dysnomia ist vermutlich durch den Einschlag eines etwa 1000 Kilometer großen Objekts
in Eris, der Material herausschlug, entstanden, ähnlich wie unsere Luna.
 
 
 
 
 


 

Eris und Dysnomia. Aufnahme vom 30. August 2006
durch das Weltraumteleskop Hubble.
 
 
 
 
 

Der Mond des Cubewanos (120347) Salacia ("die Salzige", eine Nereide [Meeresnymphe], römische
Göttin des Salzwassers, Personifikation des ruhigen, sonnenbeschienenen Meeres und Ehefrau des
Neptun) wurde nach Actaea (vom griechischen Wort für "an der Steilküste"), einer anderen
Nereide, benannt. Die anderen Cubewano-Mond-Systeme wurden nach Schöpfergottheiten
benannt. So bekam der Mond von (58534) Logos (griechisch u. a. für "Wort") den Namen
Zoe (Betonung auf dem e, griechisch für "Leben"). Logos und Zoe bilden in der Lehre des
Valentinianismus, einer frühchristlichen gnostischen Bewegung, eines von fünfzehn Paaren
männlicher und weiblicher Entitäten, die Emanationen des Göttlichen sind. Aus der
ehelichen Vereinigung des Logos und der Zoe gingen der (himmlische) Mensch
und die (himmlische) Kirche hervor.
 
 
 
 
 

Salacia und Actaea. Acht Aufnahmen durch das Weltraumteleskop Hubble
sowie zwei vom W.-M.-Keck-Observatorium auf Hawaii.
 
 
 
 
 

Logos und Zoe
 
 
 
 
 

Ebenso bekam der Mond von (50000) Quaoar (Schöpfergottheit des Indianervolkes
der Tongva, gestalt- und geschlechtslos, sang und tanzte die Welt ins Leben) den
Namen Weywot nach dem Vater des Himmels, der ersten Gottheit, die durch
Quaoars Gesang und Tanz entstand. Weywot stimmte in diese mit ein
und beteiligte sich an der weiteren Schöpfung.
 
 
 
 
 


 

Entdeckungsfoto von Quaoars Mond Weywot durch das
Weltraumteleskop Hubble. Im rechten Teil des Bildes wurde
Quaoar maskiert, um den mit Pfeilen gekennzeichneten
Weywot sichtbar zu machen.
 
 
 
 
 

Auch der 1997 entdeckte Cubewano (79360), der sich 2002 als Doppelcubewano entpuppte,
dessen kleinere Komponente nur etwa 5 % kleiner ist als die größere, wurde nach Schöpfer-
gottheiten, diesmal der Inuit, benannt und bekam den Doppelnamen Sila-Nunam. Sila
(Inuktitut für "Geist"), der gestaltlose Himmels-, Wind- und Wettergeist und Herr über
das Leben, war der grundlegende Bestandteil alles Seienden und der Stoff, aus dem
Seelen bestehen. Nunam, Silas Frau, war die Erdgöttin. Sie erschuf die Landtiere;
das erste Volk (die Inuit) wurde je nach Überlieferung entweder von Nunam oder
von Sila erschaffen. Dieser gab und nahm allen Lebewesen ihren Lebenshauch.

Die Dichte von Sila-Nunam beträgt 0,72 g/cm³, was darauf hindeutet, dass beide
Körper hauptsächlich aus Eis bestehen; da jedoch Eis mit 0,91 g/cm³ dichter ist,
weisen die beiden Körper vermutlich Hohlräume auf.

Die Oberflächen von Sila und Nunam sind sehr rot und weisen kein Eis auf.
Allem Anschein nach sind sie durch Material, das durch Einschläge auch auf
den jeweils anderen Körper in den Raum geschleudert wurde, wobei das
Eis sublimierte, erneuert worden.
 
 

Des Weiteren wurde der Mond von (88611) Teharonhiawako (Betonung auf
der drittletzten Silbe, mohawkisch für "der den Himmel mit zwei Händen hält",
Schöpfergottheit der Indianervölker der Irokesen und der Wyandot) nach
dessen Zwillingsbruder Sawiskera (Betonung auf der zweiten Silbe,
mohawkisch für "Feuerstein") benannt. Diese Zwillinge erschufen die
Lebewesen. Während Teharonhiawako, der Herr des Lebens, Gutes
wie die Sonnenblume, die Wildtiere und den Menschen erschuf ("alles,
was rein und schön ist") und Gesundheit und Wohlstand spendet, war
Sawiskera rücksichtslos und boshaft: er erschuf die Distel, die Raubtiere,
die Krankheiten und Ungeheuer in Menschengestalt, raubte die Sonne und
ließ eine Kröte das für die Menschen lebensnotwendige Wasser trinken
und verderben. Er wurde letztendlich von seinem Bruder besiegt.
 
 
 
 
 

Teharonhiawako und Sawiskera
 
 
 
 
 

Schließlich bekamen zwei Cubewanos und ihre Monde die Namen von Gestalten aus
fiktiven Religionen: Zum einen wurden (66652) Borasisi und sein Mond Pabu nach
den Schöpfergottheiten der bokononistischen Kosmogonie benannt. Der Bokononismus
geht auf den Guru Bokonon zurück. Allerdings ist dieser eine Figur aus dem satirischen
Roman "Katzenwiege" des US-amerikanischen Schriftstellers Kurt Vonnegut. Die
Namensgebung erfolgte in dessen Todesjahr.

In "Katzenwiege" heißt es: "[In der bokononistischen Schöpfungsgeschichte] hielt Borasisi,
der Sonnengott, Pabu, die Mondgöttin, im Arm, in der Hoffnung, Pabu werde ihm ein
feuerglühendes Kind gebären. Aber die arme Pabu gebar nur kalte Kinder, die nicht
brannten, und Borasisi warf sie angewidert fort. Das waren die Planeten, die ihren
schrecklichen Vater in sicherem Abstand umkreisten.

Schließlich wurde Pabu selbst verworfen und lebte hinfort mit ihrem Lieblingskind,
und das war die Erde. Pabu liebte die Erde, weil Menschen darauf waren, und
die Menschen blickten in Liebe und Ehrfurcht zu Pabu empor."
 
 
 
 
 

Borasisi und Pabu
 
 
 
 
 

Zum anderen wurden (174567) Varda und ihr Mond Ilmarë (Betonung auf der ersten Silbe)
nach mythologischen Gestalten des englischen Schriftstellers und Sprachwissenschaftlers
J. R. R. Tolkien benannt. Die Königin Varda Elentári (Quenya für "erhabene
Sternenkönigin") erschuf die Wandelsterne und die Sternbilder und setzte
Sonne und Mond auf ihre Himmelsbahnen. Ilmarë (Quenya wohl für
"Sternenlicht") war ihre Zofe.
 
 
 
 
 

Bilder von Varda und Ilmarë.
In der oberen Reihe sind Originalaufnahmen zu sehen,
in der unteren optisch aufbereitete Bilder. In der
linken Spalte befindet sich das Entdeckungsfoto Ilmarës.
 
 
 
 
 

Drei Monate später wurde auch ein zu Neptun resonantes TNO-System nach
mythologischen Gestalten aus Tolkiens Welt benannt. So bekam der Mond
des 7:4-Objekts (385446) Manwë (Quenya für "gesegnetes Wesen", vom
Valarin-Wort für "einer im Einklang mit Eru [dem höchsten Gott]", König
der Welt, Herr über Luft, Wind und Wolken und Ehemann von Varda
Elentári) den Namen Thorondor (Sindarin für "Adlerkönig") nach dem
König der Großen Adler, der Sendboten Manwës. Thorondor war mit
einer Flügelspannweite von 55 Metern der größte aller Vögel,
die es jemals gab, und besaß einen goldenen Schnabel.

Die Oberflächen Manwës und Thorondors sind
vermutlich sehr rot.
 
 

Die beiden Monde des mutmaßlich zu Neptun im Verhältnis 12:7 resonanten
Zwergplaneten (136108) Haumea (Fruchtbarkeits- und Geburtsgöttin der
hawaiischen Mythologie) wurden nach deren Kindern benannt und bekamen
die Namen Hiʻiaka und Namaka (Betonung jeweils auf dem ersten a von
"aka"). Hiʻiaka (hawaiisch für "Schattenträgerin" oder für "getragenes Ei":
sie kam als Ei aus Haumeas Mund und wurde von ihrer Schwester Pele
nach Hawaii getragen) war die Schutzgöttin von Hawaii, der Hula-Tänzer,
des Gesanges, der Zauberei und der Medizin. Nāmaka (hawaiisch für
"die Augen") sie kam aus Haumeas Brüsten war der Wassergeist.
Sie verkörperte die Gewalt des Wassers, den weiten
Ozean und die Zyklen von Ebbe und Flut.
 
 
 
 
 


 

Aufnahme von Haumea und ihrer Monde Hiʻiaka (oben) und
Namaka (unten) vom 30. Juni 2005 durch das
Keck-Observatorium auf Hawaii
 
 
 
 
 

Die Oberfläche Hiʻiakas, des größeren der beiden Monde, besteht zu großen
Teilen aus nahezu reinem kristallinen Eis, was bei resonanten TNOs und
Cubewanos selten ist. Auch Namakas Oberfläche besteht vermutlich
hauptsächlich aus Eis. Die Albedo (Reflexionsvermögen) der beiden
Monde wird auf 80 % geschätzt, was Oberflächentemperaturen
um 241 °C bedeuten würde, das wäre nur 32 Grad
über dem absoluten Nullpunkt.

Hiʻiaka und Namaka sind daher wahrscheinlich durch einen großen Einschlag
in Haumeas Eismantel und anschließender Verdichtung des weggesprengten
Materials entstanden. Ihre Namen spielen somit auf ihre vermutete
Entstehung aus Teilen Haumeas an.

Die Umlaufbahn Namakas ist für einen Mond, der seinen Planet(oid)en in so
geringer Entfernung umläuft, ungewöhnlich exzentrisch. Wahrscheinlich war
aufgrund von erwärmenden Gezeitenkräften, die bei beiden Monden zu
einer Umlaufbahnvergrößerung infolge von Masseverlust geführt hatten,
eine Bahnresonanz zwischen beiden Monden entstanden, die die Bahn
des masseärmeren über längere Zeit verändert hat. Gegenwärtig
befindet sich Namaka nahe einer 8:3-Resonanz mit Hiʻiaka,
wodurch ihre Bahn so stark beeinflusst wird, dass sich ihre
Achsen um 6,5° pro Jahr drehen. Falls die beiden Monde
tatsächlich regulär, also nicht eingefangen sind,
wäre das einzigartig.
 
 
 
 
 


 

Aufnahme von Haumea und ihrer Monde Namaka und Hiʻiaka
vom 30. Juni 2005 durch das Keck-Observatorium
 
 
 
 
 

Auch die anderen TNO-Monde sind vermutlich zusammen mit ihrem Planetoiden entstanden,
wobei die meisten Planetoid-Mond-Systeme mit kleinerem Abstand zwischen Planetoid
und Mond (große Bahnhalbachse < 10000 km) wahrscheinlich durch andere
Vorgänge entstanden sind als die meisten derjenigen mit größerem Abstand
(große Bahnhalbachse > 20000 km).
 
 

Heute sind über 60 TNO-Monde bekannt, davon über die Hälfte bei Cubewanos.
In unten stehender Tabelle sind nur diejenigen aufgeführt,
die einen Namen bekommen haben.
 
 

Eine maßstabsgetreue Darstellung einiger Planetoid-Mond-Systeme
befindet sich hier.
 
 
 
 
 
 
 

Monde von TNOs in Kürze
(alle Werte gemittelt und gerundet)


PLANETOID Durchmesser Große
Bahnhalb-
achse /
Typ
MOND Ent-
deckungs-
jahr
 Entdecker  Durch-
messer /
Größen-
verhältnis
Große
Bahn-
halbachse
Um-
lauf-
zeit
(42355)
Typhon
162 km 38,11 AE /
SDO
I
Echidna
2006 K. S. Noll / W. M. Grundy /
D. C. Stephens / H. F. Levison // 
Hubble
89 km / 2:1 1580 km =
20 Typhonradien
18,98
Tage
(341520)
Mors
102 km 39,32 AE /
Plutino
Somnus 2007 Scott S. Sheppard / 
Chadwick Trujillo
97 km / 20:19 21040 km =
413 Morsradien
971,7
Tage
(90482)
Orcus
917 km 39,44 AE /
Plutino
I
Vanth
2005 Michael E. Brown / T.-A. Suer // 
Hubble
276 km / 3:1 9006 km =
20 Orcusradien
9,539
Tage
(47171)
Lempo
272 km 39,47 AE /
Plutino
Hiisi 2007
(nachgewiesen 2009)
Seth A. Jacobson / Jean-Luc Margot // 
Hubble
251 km / 13:12 867 km =
6 Lemporadien
1,907
Tage
(47171)
Lempo
272 km 39,47 AE /
Plutino
I
Paha
2001 Chadwick Trujillo / Michael E. Brown // 
Hubble
132 km / 2:1 7411 km =
54 Lemporadien
50,30
Tage
(134340)
Pluto
2377 km
(Zwergplanet)
39,48 AE /
Plutino
I
Charon
1978 James Christy 1212 km / 2:1 19596 km =
16 Plutoradien
6,387
Tage
(134340)
Pluto
2377 km
(Zwergplanet)
39,48 AE /
Plutino
V
Styx
2012 Mark Showalter // Hubble 16 km x 9 km x 8 km / 227:1 42656 km =
36 Plutoradien
20,16
Tage
(134340)
Pluto
2377 km
(Zwergplanet)
39,48 AE /
Plutino
II
Nix
2005
(nachgewiesen 2006)
Max Mutchler // Hubble 50 km x 35 km x 33 km / 61:1 48694 km =
41 Plutoradien
24,85
Tage
(134340)
Pluto
2377 km
(Zwergplanet)
39,48 AE /
Plutino
IV
Kerberos
2011 HST Pluto Companion Search Team // 
Hubble
19 km x 10 km x 9 km / 199:1 57783 km =
49 Plutoradien
32,17
Tage
(134340)
Pluto
2377 km
(Zwergplanet)
39,48 AE /
Plutino
III
Hydra
2005
(nachgewiesen 2006)
Max Mutchler // Hubble 65 km x 45 km x 25 km / 57:1 64738 km =
54 Plutoradien
38,20
Tage
(120347)
Salacia
854 km 41,96 AE /
Cubewano
I
Actaea
2006 K. S. Noll / H. F. Levison /
D. C. Stephens / W. M. Grundy // 
Hubble
286 km / 3:1 5619 km =
13 Salaciaradien
5,494
Tage
(136108)
Haumea
2322 km x 1704 km x 1138 km /
(Zwergplanet)
43,17 AE /
12:7-Objekt (?)
II
Namaka
2005 M. E. Brown u. a. 160 km / 10:1 25657 km =
31 Haumearadien
18,28
Tage
(136108)
Haumea
2322 km x 1704 km x 1138 km /
(Zwergplanet)
43,17 AE /
12:7-Objekt (?)
I
Hiʻiaka
2005 M. E. Brown u. a. 320 km / 5:1 49880 km =
60 Haumearadien
49,46
Tage
(50000)
Quaoar
1070 km 43,22 AE /
Cubewano
I
Weywot
2006 Michael E. Brown / T.-A. Suer // 
Hubble
81 km / 13:1 13800 km =
26 Quaoarradien
12,26
Tage
(66652)
Borasisi
126 km 43,62 AE /
Cubewano
I
Pabu
2003 K. S. Noll / D. C. Stephens u. a. //
Hubble
103 km / 6:5 4528 km =
72 Borasisiradien
46,29
Tage
(385446)
Manwë
160 km 43,63 AE /
7:4-Objekt
I
Thorondor
2006 K. S. Noll / W. M. Grundy /
D. C. Stephens / H. F. Levison // 
Hubble
92 km / 7:4 6674 km =
83 Manwëradien
110,2
Tage
(88611)
Teharonhiawako
178 km 43,89 AE /
Cubewano
I
Sawiskera
2001 David Osip / Scott Burles 129 km / 4:3 27670 km =
311 Teharonhiawakoradien
828,8
Tage
(79360)
Sila
249 km 44,13 AE /
Cubewano
Nunam 2002 Denise C. Stephens / 
Keith S. Noll // Hubble
236 km / 19:18 2777 km =
22 Silaradien
12,51
Tage
(58534)
Logos
82 km 45,44 AE /
Cubewano
I
Zoe
2001
(nachgewiesen 2002)
K. S. Noll / D. C. Stephens u. a. //
Hubble
67 km / 6:5 8217 km =
200 Logosradien
309,9
Tage
(174567)
Varda
705 km 45,63 AE /
Cubewano
Ilmarë 2009 K. S. Noll u. a. // Hubble 361 km / 2:1 4800 km =
14 Vardaradien
5,751
Tage
(136199)
Eris
2326 km
(Zwergplanet)
67,84 AE /
SDO
I
Dysnomia
2005 M. E. Brown u. a. 514 km / 5:1 37580 km =
32 Erisradien
15,79
Tage
(65489)
Ceto
223 km 101,90 AE /
SDO
I
Phorcys
2006 K. S. Noll u. a. // Hubble 171 km / 4:3 1840 km =
17 Cetoradien
9,554
Tage

 

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Dies waren die beeindruckenden Monde von TNOs.
Als nächstes erwarten Euch hier drei weitere Saturnmonde. Seid gespannt auf
 

Methone, Anthe und Pallene



 
 

Hauptquellen:
- Wm. Robert Johnston: "Asteroids with Satellites", http://www.johnstonsarchive.net/astro/asteroidmoons.html
- Stand vom 29. Dezember 2017
- MPCs, https://www.minorplanetcenter.net/iau/ECS/MPCArchive/MPCArchive_TBL.html,
- Stand vom 3. Dezember 2017